Projekt

Ausgangssituation

Analphabetismus hat sich in den letzten Jahren zu einem gesellschaftlichen Problemfeld entwickelt. Das Nichtvermögen des Lesens und Schreibens ist für die Betroffenen vielfach nicht nur eine individuelle Einschränkung, sondern hat wesentliche Auswirkungen auf die Beschäftigungsfähigkeit. Gerade in den hoch entwickelten europäischen Staaten, ist das Vermögen, Lesen und Schreiben zu können, eine Grundvoraussetzung der Beschäftigungsfähigkeit, da kaum ein Beruf ohne diese Fähigkeit ausübbar ist.

Spätestens seit der PISA-Studie ist bekannt, dass Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern einen erheblichen Nachholbedarf bei der Grundbildung hat.

Jedes Jahr verlassen etwa 75.000 Jugendliche die Schulen ohne Hauptschulabschluss. Viele von ihnen verfügen nicht über die erforderlichen Mindestqualifikationen, um einen Beruf zu erlernen. Ohne ausreichende Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen haben sie kaum eine Chance am Arbeitsmarkt.

Wie viele Erwachsene von funktionalem Analphabetismus betroffen sind, ist allerdings nicht bekannt. Schätzungen gehen von 4 Millionen Betroffenen aus.

Entsprechend der Studie „Herausforderung Analphabetismus in Berlin“ Mai 2008 von Thomas Welzenbacher sind ca. 164.000 Berliner Analphabetinnen und Analphabeten.
Die tatsächliche Anzahl liegt wesentlich höher, da in den einschlägigen Statistiken nur Bildungsinländer mit einem Schulbesuch in Deutschland erfasst werden.

Bekannt ist, dass der Analphabetismus bei Berliner/-innen mit Migrationshintergrund einen sehr hohen Anteil ausmacht und in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Davon sind insbesonder Jugendliche und Erwachsene Menschen betroffen.
Der Grund ist u. a. darin zu suchen, dass Kinder ehemaliger Arbeitsmigrant/-innen nicht wie erwartet im Laufe des Integrationsprozesses geringere Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben. Das Gegenteil ist der Fall.

  • Jugendliche der 3.Generation wachsen oft als „zweisprachige funktionale Analphabeten“ auf.
  • Etwa ein Viertel der Schüler/-innen mit Migrationshintergrund sind ohne Schulabschluss.
  • Die Anforderungen der Wirtschaft auch an Geringqualifizierte sind gestiegen.
  • Alphabetisierung und Grundbildung sind zu Schlüsselqualifikation geworden.

Die Beschäftigungsperspektiven für Geringqualifizierte können maßgeblich durch die Überwindung von Analphabetismus und die Verbesserung ihrer Grundbildung wesentlich verbessert werden.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden und werden insbesondere in den Volkshochschulen Kurse für Funktionale Anaphabeten angeboten. Diese umfassen 2-3 Stunden wöchentlich und werden über viele Jahre mit den Teilnehmer/-innen durchführt.

Sie sind somit nicht effizient.

Das Bundesministerium für Forschung und Wissenschaft fördert Projekte, die insbesondere die Erforschung des Entstehens von Funktionalem Analphabetismus als Schwerpunkt haben.
Seit 2008 gibt es innerhalb der Integrationskurse des Bundesamtes für Migration ein Modul zur Alphabetisierung von Menschen mit Migationshintergrund. Dieses ist aber kein Blended Learning Konzept.
Die PROSON GmbH führt seit 2005 Kurse Alphabetisierung und Deutsche Sprache im Blended Learning durch. Die hier gesammelten Erfahrungen bilden die Grundlage für die neu zu entwickelnden Blended Learning Lernkonzepte „Alphabetisierung & Grundbildung“ für Menschen mit und ohne Migratioshintergrund. Weiterhin werden diese Erfahrungen in die neu zu entwickelnden multimedilalen Lehr- und Lernmittel einfließen. Die bereits vorhandenen Kooperationen mit 60 Netzwerparner/-innen aus dem Projekt „Interaktives Netzwerk deutsch als Fremdsprachen werden konsolidiert und weitere Partner/-innen gewonnen.

Projektziele:

Verbesserung der Arbeitsmarktchancen von gering qualifizierten Erwachsenen und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund durch Überwindung von funktionalem Analphabetismus und Verbesserung der Lehrqualität der Lehrenden
Das Gesamtprojekt wird in 2 Phasen realisiert. Phase 1 vom 04.01.-31.12.2010 und Phase 2 vom Januar – Dezember 2011.

Folgende Schwerpunkte sind Gegenstand des Projektes:

  • 1. Entwicklung eines interaktiven Kompetenzzentrums
    Alphabetisierung & Grundbildung und Deutsch als Fremdsprache für funktionale Analphabeten mit und ohne Migrationshintergrund
  • 2. Entwicklung und Erprobung von blended learning Konzepten zur Überwindung von funktionalem Analphabetismus und Verbesserung der Grundbildung Geringqualifizierter mit und ohne Migrationshintergrund
  • 3. Entwicklung einer Moodle-Lernplattform, Online-Testen und Arbeitsblätter Alphabetisierung & Grundbildung zur Überwindung von funktionalem Analphabetismus und Verbesserung der Grundbildung Geringqualifizierter mit und ohne Migrationshintergrund in den Niveaustufen Alphabetisierung und Deutsch als Fremdsprache A1 und A2
  • 4. Einrichtung eines interaktiven Lernzentrums für Geringqualifizierte mit und ohne Migrationshintergrund mit multimedialen Angeboten Alphabetisierung & Grundbildung und Deutsch als Fremdsprache, mit individuellem Coaching der Lernenden und Workshops für die Lehrenden der Netzwerkpartner/-innen
  • 5. Durchführung von 8 blended learning Modulen Alphabetisierung & Grundbildung und Deutsch als Fremdsprache (Schwerpunkt Grundbildung) mit individuellem sozialen und beruflichen Coaching und Profiling.unter Nutzung der multimedialen Lehr- und Lernmittel.

Kooperationspartner/-innen und Netzwerkpartner/-innen

  • Agenturen für Arbeit Berlins
  • JobCenter Berlins und Sozialdienste Berlins
  • Projektträger von Maßnahmen für gering qualifizierte Erwachsene und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund
  • Projektträger von BAMF-Maßnahmen
  • Projektträger von MAE-Maßnahmen
  • Projekträger von Alphabetiserungs- und DaF- kursen
    Vereine, Familienzentren, Migrantenorganisationen, Migranten-Communities
  • Bundesverband Alphabetisierung & Grundbildung e. V.